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Das Projekt Herbergen am Hærvejen

von Andreas Blinkenberg, Architekt MAA og Wirtschaftswissenschaftler HDI

 

Ladegård
Das Projekt ”Herbergen am Hærvejen” nahm seinen Anfang mit einem Ideenwettbewerb zur Nutzung älterer unbenutzter Landwirtschaftsgebäude, der von der Stiftung Realdania im Jahre 2004 veranstaltet wurde. Für mich war der Wettbewerb eine einleuchtende Möglichkeit, einen Pilgerweg mit Übernachtungsmöglichkeiten am Hærvejen von Viborg bis zur Grenze zu etablieren. Ich entwarf einen Vorschlag zur Einrichtung von Herbergen für Wanderer, Radler, Reiter und Pilger in den unbenutzten Landwirtschaftsgebäuden. Mein Konzept war, Herbergen derselben Art, wie man sie von dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella in Spanien kennt, einzurichten. Das heisst: schlichte und preiswerte Schlafräume, die stets Pilgern und Wanderern, die vorbei kommen, offen stehen. In den Ställen, wo früher Pferde und Kühe gestanden haben, könnte man Etagenbetten aufstellen für Gäste, die sich auf dem Hærvejen bewegen.

Realdania belohnte das Projekt und machte es durch eine Mitfinanzierung realisierbar. Wir stifteten den Verein ”Herberge am Hærvejen”, der er eine Corporative für Dansk Vandrelaug (Wanderverein), Cyklistforbundet (Radlerverein), Islandshesteforbundet (Reiterverein), Viborg Pilgrimscenter (Pilgerorganisation), Danske Santiagopilgrimme (Pilgerorganisation), nordische Pilgerpfarrer usw. ist. Im Laufe des Jahres 2004 machte ich mit Besitzern von 10 Eigentümern eine Vereinbarung zur Einrichtung von Herbergen in unbenutzten Gebäuden. Danach begannen die Bestrebungen, bei Stiftungen und Behörden eine Mitfinanzierung zu erreichen. Es gelang uns, insgesamt 12 Mill. Dkr. zu beschaffen, hierunter 2 Mill. Dkr. öffentlicher Finanzen, u.a. vom Landkreis Viborg, 2 Mill. Dkr. von EU-Stiftungen und 8 Mill. Dkr. von der Stiftung Realdania.

Im Jahre 2006 begann der Umbau, und im folgenden Sommer waren die 10 Herbergen zur Einweihung bereit. Im Jahre 2010 wurde die 11. Herberge am Kongeåen eingeweiht. Die Herbergen werden nach 4 einfachen Prinzipien bewirtschaftet:

1. Sie stehen allen Wanderern, Radlern und Reitern in der Sommerperiode Juni-Juli-August offen.
2. Man kann nicht im voraus buchen.
3. Übernachtung kostet 80 Dkr.
4. Man muss einen Herbergspass zu 70 Dkr. erwerben, um die Herberge benutzen zu dürfen.

 

Die Herbergen sind mit 30 – 40 Etagenbetten in einem oder mehreren Räumen eingerichtet.  Waschbecken, Duschen, Küche und Essecken stehen zur Verfügung. Die Gäste bringen selber Schlafsäcke und Lebensmittel für eigenen Konsum mit. (Einige) Wirte bieten darüber hinaus Verkauf von Lebensmitteln und (evt.) anderen Bedürfnissen an. Anhilfe dieser einfachen Prinzipien bestreben wir uns, eine Atmosphäre, wie wir sie von Pilgerwegen kennen, zu erschaffen. Das heisst: eine Ambiente zu erschaffen für Wanderer und Pilger, die sich mit sehr unterschiedlichen Motiven hinaus begeben – Menschen, die das Spirituelle oder das Kulturhistorische suchen, oder einfach nur durch das offene Land wandern möchten. Es ist nicht notwendig, sine Reise in Einzelheiten zu planen, man kann im Augenblick leben und vom modernen kalenderfixierten Arbeitsleben entspannen.

Die Pilgerwanderungen laden teils zum Schweigen, teils zum Dialog ein. Das spricht heute viele Menschen an. In den Herbergen gibt es Gelegenheit, Andere zu treffen und Lebenserfahrungen zu teilen.

Wir bestreben uns, eine Atmosphäre zu erschaffen, wo der Reisende sich als Gast fühlt in der Begegnung mit den jeweiligen Wirten und dem Besuch in den örtlichen Kirchen. Alle Kirchen am Hærvejen sind tagsüber offen und bieten Möglichkeiten zur Meditation und zum Gebet.

Es war eine schwere Arbeit, die finanziellen Mittel zu beschaffen, mit den Besitzern Vereinbarungen zu machen und Umbauerlaubnisse für die Herbergen zu erhalten. Es ist meine Hoffnung, dass die Herbergen von vielen Wanderern, Radlern, Reitern und insbesondere Pilgern benutzt werden

Vor sieben Jahren ging ich auf meine erste Pilgerwanderung in Spanien auf dem alten Pilgerweg ”Camino” nach Santiago De Compostela. Im Jahre danach waren meine Frau und ich freiwillige Mitarbeiter in einer Herberge in der Stadt Estella. Die Pilgerwanderung auf dem ”Camino” ist wieder ein sehr populärer Wanderweg, der Menschen auf religiöser Suche und Menschen, die ein tragbares und einfaches Ferienerlebnis wünschen, anspricht. Innerhalb der vergangenen 15 Jahren ist die Anzahl der Wanderer auf dem ”Camino” von 20. 000 auf 100. 000 pro Jahr gewachsen. Jedes Jahr gehen ungefähr 1000 Dänen auf dem ”Camino” wandern. Seitdem bin ich auf Pilgerwegen in Norwegen und Schweden gewandert, wo die Pilgertradition vorherrschender ist als in Dänemark.

 

Køjer og båse